...Damals

Bäuerlicher und industrieller Torfabbau gestern

Die Geschichte des Torfabbaues in Wurzach war eng mit der Adelsherrschaft verbunden.

 

Erste Entwässerungsmaßnahmen und Kultivierungsversuche im Wurzacher Ried veranlasste bereits 1750 Franz Graf von Waldburg-Wurzach. Es wurde überwiegend Brenntorf abgebaut. Die Landwirte arbeiteten in ihren Torfstichen meist nur für den Eigenbedarf.

1874 folgten weitere Entwässerungs-maßnahmen, die Standesherrschaft und Bürgerschaft gemeinsam durchführten. Im Torfwerk Oberried, heute kurz "Zeiler Torfwerk" genannt, begann 1897 eine Torfstreu- und Torfmullfabrikation. Bis zur Jahrhundertwende waren in Oberschwaben zahlreiche Torfstiche und Torfwerke entstanden.

 

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Das Torfwerk Oberried beschäftigte 1902 bereits 93 Arbeiter, darunter Gastarbeiter aus Italien. Die wirtschaftliche Bedeutung des Torfabbaues wuchs, als die Lokomotiven der Südbahn in den ersten Betriebsjahren mit Torf gefeuert wurden.

Der Anschluss Wurzachs ans Bahnnetz erlaubte den Transport von Brenntorf bis nach Stuttgart. Durch maschinellen Abbau für den Bedarf der Landeshauptstadt entstand der "Stuttgarter See" 1920 wurde das Waldburg-Wolfegg'sche Torfwerk Haidgau gebaut.

Mit für damalige Zeit modernsten Maschinen und vielen Arbeitern produzierte man dort zunächst Brenntorf und später Badetorf der dann mit der Torfbahn aus dem Ried heraus transportiert wurde.

 

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Das Bild zeigt Badetorf-Abbau von Hand

 

Das Ried war zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor mit einer neuen Wurzacher Arbeiterschicht geworden.

 

 

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...Heute

Als 1996 der Torfabbau eingestellt wurde, verließen die Arbeiter das Ried, als ob sie am nächsten Tag wieder kommen wollten. Einige Maschinen und Arbeitsmaterialien wurden im Ried einfach zurückgelassen. Aus ökologischen Gründen wollte das NAZ (Naturschutzzentrum Bad Wurzach) diese Maschinen mit Hilfe des örtlichen Heimatvereins "Wurzen" bergen. 

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Nach 5 Jahren Stillstand waren die Teile aber nicht mehr gangbar und so wurde Winfried Vinçon, ein pensionierter KFZ-Meister, vom Vorsitzenden des Heimatvereins "Wurzen" gefragt, ob er hier nicht einmal nachschauen könne. Mit Hilfe von Erwin Wild und Max Westermayer machte er sich ins Ried auf. So entstand das "Rentnertrio".

Zuerst wurde eine der beiden Loks vom Haidgauer Torfwerk ins Zeiler Torfwerk transportiert. Hier war schon eine 150m lange Strecke geplant. Zusammen mit dem NAZ wurde eine Streckenführung am Riedrand festgelegt. Hierzu benötigte man Gleise, die aus dem Ried mit Hilfe eines Flexmobils geborgen wurden.

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Durch die ständige Arbeit im Ried war das Trio schon bald mit der vorgesehenen Streckenführung am Rande des Riedes nicht mehr einverstanden. Eine neue Trasse wurde geplant, die entlang des Achkanals führte und einen viel besseren Einblick in das Wurzacher Ried gewähren sollte.

2001 wurde die erste Weiche in Richtung Kanal gelegt und im Sommer zum Bähnlesfest war die Strecke schon 200m lang. Auch gelang es dem Trio zwei zurückgelassene Maschinen im Ried wieder gangbar zu machen und zu bergen. Sie zerlegten die Motoren, überholten die Kolben, Zylinderköpfe und Einspritzpumpen direkt vor Ort, mitten im Ried. Schlussendlich gelang auch die Bergung.

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Im Winter entstand der erste Personenwagen auf dem Gestell einer alten Lore. Durch Berichte in Zeitung, Funk und Fernsehen wuchs das Interesse der Bevölkerung an der Torfbahn. Immer mehr freiwillige Helfer meldeten sich.

Nach der erfolgreichen TÜV-Abnahme trudelten die Bestellungen für Bahnfahrten schon ein. Im darauf folgenden Winter mussten 2 weitere Personenwagen gebaut werden. Inzwischen ist die Strecke bereits (mit Genehmigung des Landratsamtes) über den Achkanal bis zum Stuttgarter See und weiter zum Haidgauer Torfwerk fertiggestellt. Die Strecke ist ca. 1,5 km lang und das Bähnle chauffiert jährlich über 10.000 Fahrgäste.